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Wie ein wildes Tier

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Offline erzähler

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Wie ein wildes Tier
« on: March 30, 2025, 03:59:58 PM »
„Wollen wir wetten? Ich gegen euch alle. Ihr werdet keine Chance haben.“
„Und warum sollte ich eine solche Wette eingehen?“
Sinja hatte mit dieser Antwort gerechnet, aber noch hatte sie ihr größtes Argument nicht ausgespielt, ihren „Türöffner“.
Saripah (kurz: Sari) war mit ihr in dieselbe Klasse gegangen. Nur ihr Aussehen erinnerte daran, dass sie in Thailand geboren war. Ein Bräunungsstudio brauchte sie jedenfalls nicht, und ihre reine, gleichmäßig getönte Haut sowie ihr strahlendes Lächeln gewannen ihr sofort die Sympathien anderer Menschen. So wurde sie immer wieder zur Klassensprecherin gewählt.
Sie leitete jetzt ein Zeltdorf für Mädchen ohne Eltern, in unmittelbarer Nachbarschaft zum entsprechenden Jungendorf. Sari war immer „die Gute“ gewesen, die auch diejenigen Mitschüler verteidigte, die Sinja schikaniert hatte. Diese fand Freude daran, die anderen zu quälen, sie zu verprügeln und zu demütigen. Gut zu sein, erschien ihr langweilig, sie wollte sich nicht langweilen, wollte andere ihre Kraft und Macht spüren lassen. In der Schule war das nur bedingt möglich gewesen, jetzt möchte sie ihre Wünsche ungeniert ausleben und sich gleichzeitig an „der Guten“ rächen, die sie manches Mal  verpetzt hatte.
Sinja hatte von ihren verstorbenen Eltern Geld geerbt, eine riesige Summe. Das ist ihr „Türöffner“, verliere sie die Wette, gehöre alles dem Dorf. Es war tatsächlich ein Vielfaches von dem, was Sari jeweils für ihr Projekt in den Händen gehalten hatte. Sinja konnte sehen, es veränderte sich etwas im Gesicht der Konkurrentin.
„Welche Bedingungen soll es für die Wette geben?“
„Drei Monate lang werde ich mit deinen Mädels tun, was ich will. Sie sollen mich und meine Kräfte zu spüren bekommen. Ihr dürft in dieser Zeit alles unternehmen, um mich zu besiegen und gefangen zu setzen. Sollte euch das gelingen, gehört alles Geld euch, ich selber bin eure Gefangene, und ihr könnt mich für meine Taten bestrafen, so viel und so lange, wie es euch angemessen erscheint.“
„Und wenn wir dich nicht fangen können?“
„Dann werde ich Leiterin des Dorfes, du bist meine Gefangene, die ich nach Belieben bestrafen kann. Und natürlich quäle ich die Mädchen weiterhin.“
Sinja sah, wie es in Saris Gesicht arbeitete, ein leichtes Lächeln zeigte dann das Ergebnis ihrer Überlegungen: „Du gierst ja geradezu danach, bestraft zu werden. Den Gefallen werden wir dir erweisen. Verbrecher fühlen sich immer unheimlich stark, solange sie nicht gefasst wurden. Doch am Ende siegt die Gerechtigkeit. Hast du den Pranger gesehen, als du gekommen bist? Er wartet auf dich, du forderst es ja heraus.“
Viel Gerede, dachte sich Sinja. Verbrecher in Krimis werden gefasst, damit der Zuschauer ein Happyend erhält. Die Wirklichkeit ist komplizierter. Diesmal soll das Böse gewinnen, aber was ist schon böse, solange es erfolgreich ist?  Niemand in diesem Dorf konnte sich mit ihr messen. Die meisten Mädchen waren einige Jahre jünger, und auch die Gleichaltrigen – einschließlich Sari – werden sie nicht besiegen. Provokativ küsste Sinja ihren Bizeps, als sie ging.
Eigentlich mochte sie ihren Körper nicht. Ihre äußerst empfindliche helle Haut war übersät mit Sommersprossen – in Gesicht und Körper. Im Schwimmbad hatte sie sich immer geschämt. Doch sie liebte ihre Muskeln, die sie täglich trainierte. So konnte sie den Rest ertragen.
Den Pranger sah sie nicht weit von Saris Büro. Er war kein kleines Gerät, sondern eine massive Holzwand mit nur sehr knapp geschnittenen Rundlöchern für Hals und Handgelenke. Wenn dann noch zugeschlossen wurde, konnte sich die Verurteilte kaum noch regen. Mal sehen, wer von uns beiden da stehen wird, dachte sich Sinja. Sie freute sich schon darauf, Sari ohne Gnade zu ohrfeigen.

Rücksicht war nicht Sinjas Ding, und da sie überlegen war, ließ sie alle diese Überlegenheit spüren. Ohne festes Ziel, nach Lust und Laune verprügelte sie die Mädchen, verspottete sie, zerstörte ihren Besitz und manche Einrichtung des Dorfes, hetzte auch die Mädchen aufeinander und demütigte die Schwachen, ließ sich bedienen und die Füße ablecken. „Wie ein wildes Tier“ hauste sie in diesem Lager, und der Begriff wurde zur gängigen Bezeichnung, sie war das „wilde Tier“.
Sie hatte – als einzige – ein Pferd auf das Gelände gebracht, das ihr half, schnell immer wieder an einer anderen Ecke aufzutauchen. Es war ihre besondere Spezialität, ihr jeweiliges Opfer zu fesseln, mit einem langen Strick ans Pferd zu binden und dann im Triumph durch das ganze Gelände zu ziehen. „Mein Pferd gehorcht nur mir“, wiederholte sie immer wieder und drohte damit, die Mädchen einfach über den Haufen zu reiten. So hatten alle Angst vor diesem Pferd.
Ein kleiner Ort mit Geschäften lag in der Nähe des Lagers. Dort stahl Sinja, was sie brauchte oder auch nicht, verprügelte die Kinder, quälte alte Leute. Es gelang ihr immer mehr, den guten Ruf des Mädchenlagers zu zerstören.
Im Jungenlager bot sie sich den Heranwachsenden wie eine Schlampe an. Nachdem sie sich dann einen geheimen Ort gesucht hatten, demütigte sie den Jungen und machte seine Schande allen bekannt. Nach wenigen Tagen wollte niemand mehr etwas mit ihr zu tun haben, sodass sie auch hier dazu überging, die Jungen zu verprügeln und dann mit ihrem Pferd durch das Gelände zu ziehen. Auch in diesem Lager fürchteten alle „das Tier“.

Immer bemühte sich Sinja, ihre Opfer möglichst allein anzutreffen. Nach etwa zwei Monaten gelang es Sari aber, ihrer ehemaligen Klassenkameradin ein Falle zu stellen. In dem Bemühen, ein einzelnes Mädchen zu quälen, war Sinja plötzlich von etwa 15 Mädchen und Jungen (einschließlich Sari) umstellt. Für ihren ersten Impuls, auszubrechen und wegzulaufen, war es schon zu spät. Sie musste sich stellen und kämpfen. Plötzlich hängte sich eine Gruppe der Heranwachsenden an ihre Arme und Beine. Sie schüttelte sie energisch ab, aber immer wieder krallten sie sich wie Kletten fest. Hatte sie sich von einer endlich befreit, waren schon andere da, und die eine kam auch wieder. So konnte man Sinja nicht bezwingen, aber man konnte sie beschäftigen. Plötzlich spürte sie einen festen Druck auf ihren Hals, Sari hatte sie in den Schwitzkasten genommen. Die Jüngeren rissen jetzt mit aller Kraft ihre Beine auseinander, und einige traten kräftig in ihre Kniekehlen. Sinja klatschte erst auf die Knie, dann auf den Bauch. Sari zog den Schwitzkasten wieder fest, sodass Sinjas Kopf quasi vom restlichen Körper getrennt war. Die Mädchen und Jungen hielten weiter ihre Arme und Beine, einige setzten sich auf ihren Rücken, andere gaben ihr schmerzhafte Tritte in ihre Seite. Es glich ein wenig dem Kampf der Liliputaner gegen einen Riesen, doch Sinja war keine Riesin und die Heranwachsenden deutlich mehr als nur Liliputaner. Verzweifelt versuchte sie, sich los zu strampeln, doch erst wurden ihre Füße zusammengebunden, dann drehte man ihr mit viel Mühe und gegen ihren Widerstand die Arme auf den Rücken, fesselte sie, der Strick schnitt ihr ins Fleisch.
Sinjas Pferd stand nicht weit. Sie wurde nun, nachdem man die Füße wieder befreit hatte, mit einem langen Seil an das Pferd gebunden, und Sari, die gut reiten konnte, zog die Gefangene über das Gelände. „Ihrem eigenen Pferd muss sie jetzt nachlaufen, welche Schande!“, spotteten viele, die das sahen. Dem Pferd schien es völlig gleichgültig zu sein, wen es da zog.
Nach einem weiten Umweg wurde Sinja auf dem Weg zum Mädchenlager erst durch das Dorf und dann durch das Jungenlager gezogen. Ihren Kopf tief gebeugt, sah sie die Menschen, die am Rande standen, nicht an, wurde aber von Beschimpfungen und Spott überflutet. Sari lud alle ein, ins Mädchenlager zu kommen und der Bestrafung beizuwohnen. Die „Prozession“ hinter der Gefangenen wurde immer länger.
Im Lager angekommen musste sich die Gefesselte hinknien. Sie bekam von Sari und dem Leiter des Jungenlagers, der Linkshänder war, abwechselnd Ohrfeigen – so fest wie möglich. Je stärker der Schmerz war, den sie verspürte, umso begeisterter wurde der Beifall der Zuschauer, die die Schlagenden anfeuerten. Als die beiden Lagerführer erst einmal innehielten, schien sich Sinjas Gesicht in unerträgliches Brennen und stechenden Schmerz aufgelöst zu haben. Jeder neue Schlag, auch wenn er gar nicht so heftig war, würde die Schmerzen vervielfachen. So stellte man sie an den Pranger und gab sie der Wut aller Anwesenden preis.
Eingezwängt in die knapp bemessenen Ringlöcher fühlte sich Sinja geteilt. Ihr Körper stand vor einer großen Wand, konnte sich nur geringfügig bewegen, wurde schnell immer steifer, bald schmerzten der abgeknickte Rücken und die fixierte Schulterpartie. Ihr Kopf blickte wie abgetrennt auf die andere Seite, aber er sollte nicht viel sehen, sondern wurde dort den Schlägen und dem Spott hingehalten. Was Sinja den Mädchen, Jungen und auch den Erwachsenen angetan hatte, bekam sie vervielfacht zurück. Drei Tage musste sie in dieser unbequemen Haltung stehen. Sie dachte an die Wette und ihre Niederlage. Das Geld hätte sie anders verwenden sollen.
Nach den drei Tagen zog man sie aus, fesselte sie mit engen Handschellen hinter ihrem Rücken und sperrte sie in einen Käfig, in dem sie sich rühren, aber nicht stehen konnte. Essen, das man ihr gab, musste sie wie ein Tier ohne Hilfe ihrer Hände zu sich nehmen. Durch die Gitterstäbe hindurch beobachteten die Leute das „wilde Tier“, glotzten auf ihre Sommersprossen. Sie war jetzt nur noch das: ein gefangenes Tier, keine arrogante Verbrecherin mehr. Und noch hatte man ihr nicht mitgeteilt, wie lange ihre Gefangenschaft dauern werde…